feature (auswahl)

Mit den Augen eines Scharfschützen.
Die Geschichte des ehemaligen israelischen Elitesoldaten Nadav Weiman

Scharfschütze

von: Herlinde Koelbl und Heike Tauch
Sprecher: Sigrid Burkholder und Martin Bross
Ton: Ernst Hartmann
Produktion: DLF 2017 (44´)

Nadav Weiman wächst in einer Familie mit großer Militärtradition auf: Nadavs Großvater und Urgroßvater kämpften im jüdischen Widerstand, Nadavs Vater im Jom-Kippur- und im ersten Libanon-Krieg, seine Brüder sind Elitekämpfer in der israelischen Armee. Mit 18 Jahren geht auch Nadav voller Überzeugung zur Armee und lässt sich zum Scharfschützen bei einer Eliteeinheit ausbilden. Sein Haupteinsatzgebiet werden die besetzten Gebiete. Mit der Zeit wachsen seine Zweifel am Sinn seiner Antiterroreinsätze. [+]

Als ihn die Fotografin Herlinde Koelbl 2012 bei ihren Arbeiten zum Ausstellungsprojekt "Targets" kennenlernt, hat er seinen dreijährigen Dienst bereits beendet und engagiert sich bei Breaking the Silence, einer regierungskritischen Organisation von ehemaligen und aktiven israelischen Soldaten. In den Folgejahren hält Koelbl den Kontakt mit ihm aufrecht. 2016, während der Vorbereitungen zu ihrer Ausstellung "Faces of Jerusalem", trifft sie den inzwischen 30-Jährigen erneut.

Bürger zweiter Klasse. Eine neu-deutsche Familie

Ausgezeichnet mit dem
n-ost-REPORTAGEPREIS 2017


von: Heike Tauch
Sprecherin: Claudia Jahn
Ton: Ernst Hartmann
Produktion: DLF 2016 (44´)
im O-Ton: Murat und Servete Berisha, Anwalt Peter Meyer, Richter i.R. Percy MacLean

2015 wird Murat Berisha aus dem Gefängnis in Großbeeren bei Berlin direkt in den Kosovo abgeschoben, in ein Land, das es, als er 1988 in Oslo geboren wurde, noch nicht gab und das er nie kennengelernt hat. Die Abschiebung bedeutet für den 27-Jährigen zwar sofortige Freiheit, aber auch ein lebenslanges Einreiseverbot für Deutschland und den Schengenraum. Ab sofort muss Murat sein Leben allein meistern in einem Land, dessen Sprache er kaum spricht: Murat kam als 2-jähriger nach Deutschland. Die Ehe der [+]

Eltern scheiterte, mehrmals stand die Familie unmittelbar vor der Abschiebung. Erst nach 18 Jahre Duldung erhält die Mutter eine unbefristete Aufenthalts- und Beschäftigungserlaubnis – da war Murat bereits erwachsen. In den 18 Jahren der Angst vor der Abschiebung und Verbannung in die Arbeitslosigkeit konnte Servete Berisha ihrem Sohn keinen Halt geben. Er geriet auf die schiefe Bahn. Wie viele Migrantenkinder wollte Murat nur eins: als Deutscher in Deutschland leben.



Das Schwarze Meer ist oben auf dem Berg. Mit Karl Eisbein durch Park Babelsberg

von: Heike Tauch
Sprecherin: Claudia Jahn
Ton: Christoph Rieseberg
Produktion: DLF 2016 (44´)

Dass heute Schloss und Park Babelsberg in solcher Pracht zu bewundern sind, grenzt fast an ein Wunder: Erst hinterließen die Weltkriege ihre Spuren am Werk von Lenné und Pückler, dann kam die DDR: Auf einem Teil errichtete man als Plattenbau die Walter-Ulbricht-Akademie. Der andere – eine angelegte Hügellandschaft – wurde planiert, um mit Maschendraht, Kolonnenweg und Hundelaufanlage Menschen davon abzuhalten, das Land zu verlassen. Zeuge dieser Veränderungen war auf Ost-Seite der [+]

Gartendenkmalpfleger Karl Eisbein. Überzeugt davon, dass solch eine Barbarei nicht von Dauer sein kann, dokumentierte er Urzustand wie Zerstörungen mit professionellem Blick - für eine Zeit danach. Eisbein sollte sie selbst erleben. Nach der Wende zeichnete er bis 2008 für den Park verantwortlich. Er ließ Erdschichten zurückschieben, stellte alte Blickbeziehungen wieder her, widmete sich der Rekonstruktion des Wegenetzes. Eisbein ist kein „Homme de lettres“, er ist ein „Homme de l´arbre“. Seine Sprache sind Bäume, Sträucher, Seen und Bäche. Ein Streifzug durch Schichten und Geschichte von Park Babelsberg.

Der Krieg im Fokus. Die Fotografin Herlinde Koelbl spricht mit Soldaten

von: Heike Tauch
Übersetzung: Florian Goldberg
Sprecherin: Claudia Jahn
Ton: Johanna Fegert
Produktion: SWR 2016 (55´)

Über sechs Jahre reiste die Fotografin Herlinde Koelbl in fast 30 Länder, um an militärischen Ausbildungsorten landestypische Schießziele zu dokumentieren. Aus diesen fotografischen Aufnahmen entstand ihr Kunstprojekt TARGETS. Darüber hinaus sprach Koelbl mit Soldaten und Scharfschützen. Unter Zusicherung von Anonymität erzählen sie von den moralischen Herausforderungen, von ihrer Motivation und Ausbildung, von Führung und Gehorsam, von Schuld und Fehlentscheidungen. [+]

Und immer fragt Herlinde Koelbl nach dem ersten Schuß: „Wie war es, als Sie das erste Mal auf einen Menschen zielten und abdrückten? Können Sie sich daran erinnern?“ Überdies berichtet die Fotografin, was sie bewegte, sich dem Thema und damit den Menschen zu nähern, die trainieren, gut zu schießen, um den Feind zu töten.

WÜSTENBLUMEN oder: Die Beschneidung von Mädchen

von: Heike Tauch
Ton: Johanna Fegert
Produktion: SWR 2015 (55´)
im O-Ton: Sister Fa, Hadje Kaba, Dr. Cornelia Strunz, Rüdiger Nehberg, Tarafa Baghajati, Hannelies Koloska u. a.

Nach Schätzungen der WHO leben heute auf der Welt rund 150 Millionen Frauen mit Genitalverstümmelung - in Deutschland sind es zwischen 20. und 50.000. Bis zu drei Millionen Mädchen droht jedes Jahr dasselbe Schicksal. Diese vor allem Afrika angewendete Praxis, ist durch die Migration vieler Tausender Frauen nach Europa längst auch bei uns ein Thema - oder sollte es zumindest geworden sein. Den Stein ins Rollen brachte das ehemalige Topmodel aus Somalia, Waris Dirie, die mit ihrem Buch „Wüstenblume“ die brutale [+]

Praxis erstmalig in das breitere westliche Bewusstsein gerückt hat. Dirie wurde UN-Sonderbotschafterin gegen weibliche Genitalbeschneidung, gründete eine eigene Stiftung und eröffnete zusammen mit dem Berliner Klinikum „Waldfriede“ 2013 ein weltweit bislang einzigartiges Behandlungszentrum für Betroffene, das Desert Flower Center. Was ist erforderlich, damit diese archaische Tradition hierzulande endet und nicht in den Nischen sich ausbreitender Parallelgesellschaften fortgeführt wird?

Himmelgrün. Muslimas in Deutschland

von: Heike Tauch
Ton: Alexander Brennecke
Produktion: DLF 2014 (50´)
Gedicht: Faten El-Dabbas
im O-Ton: Halima Krausen (Imamin), Fereshta Ludin (Lehrerin), Fatou Diatta alias Sister Fa (Sängerin, Menschenrechtsaktivistin) u.a.

„Kopftuch?! Nicht zuviel davon, sonst krieg ich ´nen Schreikrampf, gegen das Thema bin ich allergisch!“, ruft Halima Krausen ins Mikrofon. Für die aus einer christlichen deutschen Familie stammende Imamin der Hamburger Imam-Ali Moschee ist die Kopftuch-Debatte pure Ablenkung von all den vielen wichtigen Themen, die es derzeit gibt. Durch sie sei die Glaubensgemeinschaft in die Defensive geraten, in der nur noch reagiert anstatt kreativ der gesellschaftliche Prozess mitgestaltet werde. Fünf muslimische Frauen habe ich für diese Sendung gesprochen. Es sind [+]

Muslimas, die hier in Deutschland leben. Musliminnen, deren Vorfahren aus dem Senegal, der Türkei, dem Libanon und aus Afghanistan kommen. Oder deren Eltern Deutsche waren. Frauen, die entweder durch ihre Geburt muslimisch sind oder zum Islam konvertierten. Die Frauen sind deutsche Staatsbürgerinnen. Sie machen ihren Glauben sichtbar oder zeigen ihn eben nicht.

Der teure Klang. Vom Wert der Violinen

von: Heike Tauch
Ton: Christoph Rieseberg
Produktion: DLF 2013 (50´)
im O-Ton: Indira Koch (Konzertmeisterin),
Michael Schnitzler (ehem. Konzertmeister),
Marcel Richters (Geigenrestaurator),
Rainer Leonhardt (Geigenbaumeister),
Philipp Scott (Bonhams) u.a.

2008 kaufte die Nippon Music Foundation die „Lady Blunt“-Stradivari für 10 Millionen Dollar. Nur drei Jahre später verkaufte sie das Instrument für sensationelle 15,9 Millionen zugunsten der Tsunamiopfer in Japan – eine bislang einmalige Geste in der Geschichte des Geigenhandels. Sensationell natürlich auch die dabei erzielte Rendite von 59% ... Solche Summen erzielte auch der in Bremen gebürtige und jahrelang dort arbeitende Dietmar Machold - lange Zeit einer der renommiertesten Geigenhändler weltweit. Seit Generationen wurde in seiner Familie [+]

Geigenhandel und Geigenbau betrieben. Machold erweiterte das Geschäft, verlegte seinen Wohnsitz nach Österreich, lebte auf Schloß Eichbüttl bei Wien und vermochte Banken zu überzeugen, ihm Millionenkredite für nichts bzw. nur wenig Wertvolles zu geben. Er verspekulierte sich: 2012 wurde Machold wegen Veruntreuung und Insolvenzbetrug zu 6 Jahren Haft verurteilt.  In den letzten Jahrzehnten hat sich der Handel u.a. durch das Internet stark verändert. Unverändert hingegen blieb die Mischung aus professionellen Händlern, obsessiven Sammlern und Spekulanten, die ständig auf der Suche nach Instrumenten sind, deren jeweiliger Wert in die Höhe schnellen wird. Doch wie kommt dieser Wert zustande, der als Marktwert ja ganz klar ein finanzieller ist und kein künstlerischer oder handwerklicher, kein ästhetischer oder historischer? Baut er sich aus diesen Werten auf? Was macht ihn aus, den „teuren Klang“? Was macht eine Geige für einen Menschen wertvoll?

Ich sehe was, was du nur hörst. Über synästhetische Wahrnehmungen

von: Heike Tauch
Ton: Wolfgang Rixius und Michael Morawietz
Produktion: DLF 2012 (50´)
im O-Ton: Michael Haverkamp, Lutz Jäncke, Christine Söffing, Elisabeth Sulser
Sprecher: Frauke Poolman und Michael Wittenborn

Einen Ton nicht nur hören, sondern auch sehen oder sogar schmecken zu können, schwarze Grapheme farblich zu erfahren, einen Menschen in bestimmten Farben zu sehen, stellt eine spezielle Form der Wahrnehmung dar, die Synästhesie genannt wird. Synästhesie, griechisch "Mitempfindung", bedeutet das Erleben zweier oder mehrerer zusammen auftretender Sinneseindrücke. Sie ist kein bewusster Akt, sondern etwas Unwillkürliches, das durch einen bestimmten Reiz ausgelöst wird, eine passive, automatische Erfahrung mit einer [+]

räumlichen Dimension, einer emotionalen Komponente, einer Beständigkeit. Das Phänomen der Synästhesie ist schon lange bekannt, dennoch wenig erforscht und beachtet. Auch herrscht im Alltag eine Grauzone, da niemand als verrückt abgestempelt oder als Sonderling gebrandmarkt werden möchte. In dem Feature erzählen Synästheten auf sehr einprägsame Weise, wie sie wahrnehmen. Das Stück geht darüber hinaus der Frage nach, wie unsere Gesellschaft erreichen kann, dass synästhetische Fähigkeiten gefördert und nicht deshalb unterbunden werden, weil Unwissende darin eine Gefahr für die Gemeinschaft und ihre Konventionen sehen. Wie können wir überhaupt ein breites Bewußtsein schaffen, dass jede Wahrnehmung individuell ist, und dass dies unmittelbare Auswirkungen auf unser Miteinander hat?

Dissident, also geisteskrank. Die Strafpsychiatrie im russischen Kasan

von: Elena Knipp und Heike Tauch
Ton: Ernst Hartmann
Produktion: DLF/MDR 2010 (44´/59´)
mit: Anja Herden, Valery Tscheplanowa, Michael Weber
Gefördert durch das Robert-Bosch-Stipendium „Grenzgänger“ 2010

Kasan, die Hauptstadt von Tatarstan, liegt 800 km östlich von Moskau an der Wolga. Bereits 1869 wurde dort im Auftrag des Zaren eine Psychiatrie gebaut. Sie ist damit eine der ältesten und größten von Russland. Geisteskranke Straftäter des Landes kamen dorthin und wurden in der „gerichtsmedizinischen Abteilung“ behandelt. Stalin baute dann diesen Bereich zur ersten geheimen geschlossenen Anstalt aus, und als im Jahr der KGB-Gründung, 1954, das Gesetz verabschiedet wurde, nach dem alle Arten von Dissidententum als besonders schwerwiegende Straftat [+]

zu verurteilen seien, avancierte die Klinik zum geheimen Zentrum der sowjetischen Strafpsychiatrie. Ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte der Missbrauch der Psychiatrie in der Sowjetunion eine traurige Blütezeit. Vor allem die Diagnose einer sogenannten „Schleichenden Schizophrenie“ führte zur Hospitalisierung von politisch missliebigen Menschen. Der Entdecker oder besser Erfinder dieser neuen Form der Schizophrenie, der russische Psychiatrieprofessor Andrej Sneschnewski, hatte sie 1971 erstmalig vor dem Weltverband der Psychiatrie in Mexiko vorgestellt. Dies geschah – so berichtete damals ein Journalist – zum großen Erstaunen aller übrigen Seelenärzte: paranoid-wahnhafte Reformideen, eine unkritische Einstellung zur eigenen anormalen Verfassung, Überschätzung der eigenen Person, mangelhafte Anpassung an die soziale Umwelt usw. waren laut Andrej Sneschnewski die Kennzeichen einer solchen Schizophrenie. In ihrem Krankheitsverlauf gehe es unaufhaltsam bergab und es gebe keine Hoffnung auf Genesung.

Steinhof ist überall. Die Wiener Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof

von: Heike Tauch
Ton: Eva Pöpplein
Produktion: Deutschlandfunk 2008/ 44´
mit: Winnie Böwe und Ulrich Noethen

„Die Irrenanstalt muß in einer anmuthigen Gegend liegen, geeignet das Gemüth zu erheitern“. Mit dieser Auffassung gab Niederösterreich den Auftrag, auf der Wiener Baumgartnerhöhe, Am Steinhof, das heutige Otto-Wagner-Spital zu bauen. Bei der Eröffnung 1907 war die von Thomas Bernhard in „Wittgensteins Neffe“ beschriebene „Irrenanstalt“ die größte und modernste psychiatrische Anstalt Europas. Auf ihrem höchsten Punkt thront die von Otto Wagner im reinsten Jugendstil errichtete „Anstaltskirche zum Hl. Leopold“: Sie bezaubert nicht nur durch [+]

ihre Schönheit, sondern ist von revolutionärer Funktionalität: abwaschbare Wände, Ärztezimmer, Notausgänge für Tobende... Sogar eine kircheneigene Toilette gibt es. Pinkeln im Hause Gottes? – Nicht der erste, nicht der letzte, nicht der größte Skandal: Noch 1998 waren auf dem Klinikgelände „neurobiologisch interessante Gehirne“ ausgestellt, Überreste, der dort 1943 der Euthanasie zum Opfer gefallenen Kinder. 2002 wurden sie beerdigt. Der Steinhof erweist sich als ein Mikrokosmos, der Normalität und Wahnsinn, Schönes und Schreckliches, Gutes und Böses in sich vereint.

Villa Baviera. Die ehemalige Colonia Dignidad

von: Heike Tauch
Ton: Ernst Hartmann
Produktion: DLF/SWR 2007 (44´/ 59´)
mit: Frauke Poolman

Fünf Autostunden sind es von Santiago de Chile bis zu der südlich gelegenen Kleinstadt Parral. Von dort führen 40 km Schotterweg zur Villa Baviera, bekannt geworden unter dem Namen „Colonia Dignidad“. Elisabeth Schnellkamp freut sich über den Besuch aus Deutschland und lädt zu einer Tour durchs Gelände ein, auf dem Paul Schäfer seine bizarre Sekte angesiedelt hatte. In Deutschland sollte er 1961 wegen Missbrauch von Schutzbefohlenen vor Gericht gestellt werden, in Chile gründete er eine Kolonie, die auf seine pädophilen Neigungen zugeschnitten war: [+]

Männer wurden von Frauen, die Kinder von den Eltern getrennt. Schäfer kontrollierte das Leben und die Sexualität seiner Anhänger, ließ chilenische Jungs zwangsadoptieren, unterhielt gute Beziehungen zur Regierung und deutschen Botschaft und stellte sein Gelände dem chilenischen Geheimdienst als Folterzentrum zur Verfügung gestellt. 2005 wurde er verhaftet, 2006 verurteilt. Ca. 120 Bewohner leben heute noch dort und suchen einen Weg ins selbstbestimmte Leben.

Zwischen Nazi und Nofretete. Samuel Becketts Berliner Tagebücher von 1936/37

von: Carola Veit und Bernd Kempker
Ton: Thomas Monnerjahn
Regie: Heike Tauch
Produktion: DLF 2007/ 50´
mit: Graham F. Valentine

Berlin 1936: die Olympischen Spiele liegen erst wenige Monate zurück, als der 30-jährige Samuel Beckett in die Stadt kommt. Die Eindrücke seiner Deutschlandreise hält er akribisch in Tagebüchern, Briefen und Notizheften fest. Er zeigt sich darin als scharfer Beobachter des Alltags und der Politik. Er verfolgt die Reden von Goebbels, liest vom Winterhilfswerk, vom Eintopfsonntag... Sein Aufenthalt führt ihn aber auch in die Museen, dessen Figurendarstellungen sein Formenrepertoire bis ins Spätwerk bereichern.

Wann reden, wann schweigen. Ein Besuch bei Ruth und Kurth Elias in Beth Jitzchak

von: Heike Tauch
Ton: Bernd Friebel
Regie: Heike Tauch
Produktion: DLF 2007/ 50´
mit: Anna Magdalena Fitzi

Nach dem deutschen Einmarsch in ihre mährische Heimat wird Ruth Huppert zunächst nach Theresienstadt deportiert. Dort heiratet sie, um dem nächsten Osttransport zu entgehen, ihren Freund Gorni, kommt nach Auschwitz, wo sie ein Kind von ihm zur Welt bringt. Bevor es der KZ-Arzt Dr. Mengele für seine Experimente nutzen kann, gibt ihr eine Ärztin Morphium. Ruth Huppert tötet ihr Kind. Sie überlebt Auschwitz und kommt 1944 in das Arbeitslager Taucha bei Leipzig. Dort lernt sie ihren späteren Ehemann Kurt Elias kennen. Nach ihrer Befreiung leben sie in Prag. [+]

Die wachsende Macht der Kommunisten zwingt sie 1949, nach Israel auszuwandern. In dem Dorf Beth Jitzchak, eine Gründung deutscher Zionisten, finden sie eine neue Heimat. Den zwei Söhnen verschweigen sie ihre Vergangenheit - eine Abmachung und ein ungeheurer Streitpunkt zwischen den beiden. Als Ruth Elias das Schweigen nicht mehr aushält, beginnt sie, ihre Erinnerungen heimlich aufzuschreiben. Sie werden 1988 veröffentlicht.

So sind wir hier geblieben. Das Elternheim ´Pinchas Rosen´ in Tel Aviv

von: Heike Tauch
Ton: Alexander Brennecke
Regie: Heike Tauch
Produktion: DLF 2007/ 50´
mit: Anna Magdalena Fitzi

Elternheim, so heisst in Israel ein Altersheim. „Pinchas Rosen“, in dem nordöstlichen Tel Aviver Vorort Ramat Chen – es gehört der „Vereinigung der Mitteleuropäischen Juden“ - ist das deutsche Elternheim. 1955 wurde es eröffnet und seitdem kontinuierlich um- und ausgebaut. Nach der 5. Alijah, der Masseineinwanderung aus Deutschland, später aus Österreich und dem Sudetengebiet war ein solches Haus notwendig geworden. Die europäischen Einwanderer wollten nicht auf engem Raum mit ihren Kindern zusammenleben, wie das zum Beispiel bei den arabischen Juden [+]

selbstverständlich ist. Auch sprachen sie kein Hebräisch. Ein deutsches Elternheim war eine sichere Insel. Von den heute 140 Bewohnern sind die meisten noch Flüchtlinge vor dem Nazi-Deutschland: Anni Wolff und Eugenie Afouri aus Berlin, Trude Mayer aus Heilbronn, Eli Sender aus Leipzig, Gertrude Brüll aus Pressburg, Ruth Schwarzschild aus Köln. Sie erzählen von ihren Elternhäusern, von dem Palästina, das sie aufgenommen hat und dem heutigen Israel.

So war es. Die Lange Nacht der alten Damen

von: Heike Tauch
Ton: Alexander Brennecke
Produktion: DLF 2006/ 180´

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die alten Damen um die 90 und 100 Jahre, denen wir noch zuhören dürfen, wenn sie uns mitnehmen in ihre Zeit, als ihr erwachsenes Leben anfing. Ihr soziales Milieu war ebenso verschieden wie die Orte ihrer Herkunft. Gemeinsam ist ihnen nur ihr Schicksal, zu Hitlers Zeiten Mutter zu werden. Mit Humor und Lebensweisheit, mit Trauer und Eigensinn erzählen sie Bewegendes aus dieser Zeit. Ein Zittern in der Stimme, ein scheues Lachen, ein Zögern und Pausen lassen den Alltag lebendig werden, als sie noch Mädchen waren, [+]

junge Frauen und schließlich Mütter. Metaphern und Sprachbilder aus alter Zeit beschreiben verlorene Landschaften, vergangene Lebenszeiten und Arbeitswelten. Dialekte, die es kaum noch gibt, berichten von einem früheren, einem anderen Deutschland. Heute wohnen sie in Ahrenshoop, Berlin, Köln, Neubrandenburg, Tel Aviv. Ihre Lebensläufe beschreiben die Zeitspanne von 1905 bis 2006. Sie sind auch ein Kommentar zu Ansichten und Ansprüchen der später Geborenen.

Mein Stolz hat ihm gefallen. Saddams Leibarzt Ibrahim al-Basri

von: Heike Tauch
Ton: Ingeborg Kiepert
Produktion: DLF 2004/ 45´
mit: Anna Magdalena Fitzi

Der Iraker Ibrahim al-Basri kam Ende der 60er Jahre in die DDR und hat in Leipzig Medizin studiert und promoviert. Die 13 Jahre DDR erlebte er als eine Zeit großer persönlicher Freiheit. 1972, zurück in Bagdad, avancierte er zum Orthopäden und Fitnesstrainer von Saddam Hussein. 1990 fiel er in Ungnade und kam für mehrere Jahre ins Gefängnis. Die Gespräche fanden im Juni 2003 in Bagdad statt, in dem Haus von Ibrahim al-Basri.


Kein Bilo ohne Omby. Über eine Heilungszeremonie im Süden Madagaskars

von: Heike Tauch
Ton: Andreas Narr
Produktion: DLR Berlin 2003/ 55´
mit: Claudia Vogt

Ra Dezy, ein stattlicher Mann von 80 Jahren, hat sein Dorf zusammengerufen, um den Bilo zu besprechen, eine Heilungszeremonie für psychisch Kranke. Eine junge Frau, die seit Jahren unter Angstzuständen leidet, soll von der Medizinfrau des Dorfes durch einen Bilo geheilt werden. Am Ende der Zeremonie wird ein Omby, das madagassische Rind, geopfert. Doch durch meine Anwesenheit gerät nicht nur die Diskussion über den Bilo aus den Fugen.

Giuseppe Sinopoli: Parsifal in Venedig

Bearbeitung: Heike Tauch
Regie: Ulrich Gerhardt
Produktion: SFB/DLF/WDR/SWR 2003/ 78´

Venedig: Giuseppe Sinopoli dirigiert am Teatro La Fenice Richard Wagners „Parsifal“. Am Abend nach der Probe verliert sich der Musiker auf seinem Heimweg im Gewirr der Stadt. Immer tiefer gerät er in das Labyrinth der Calle und Kanäle. Während die Symbolwelt Venedigs ihn in den Bann zieht, drängen sich im Leitmotive aus dem „Parsifal“ auf, bis seine Stadt und die Gralsgeschichten sich vereinen zu einem großen Thema: den Fragen nach dem Leben und dem Tod.

Diesseits des Absurden. Martin Esslin

von: Heike Tauch
Ton: Jean Boris Szymczak
Produktion: DLR Berlin 2001/ 55´

Mit Beckett, den Esslin besonders förderte, verband ihn seit den späten 50-ziger Jahren eine tiefe Freundschaft. So weitreichend seine Wirkung als Hörspielleiter auch war, berühmt wurde Esslin 1961 durch sein Buch "Das Theater des Absurden", das in vielen Sprachen erschien und heute immer noch Standardwerk für jeden Theaterinteressierten, Nachschlagewerk und Bestseller ist. Esslin (1918 -2002) war ein begnadeter Erzähler und ein phänomenaler Denker. In seinem Witz erinnert er an Billy Wilder. Die Gespräche mit ihm wurden im April 2000 in Berlin und London aufgenommen.

Vom Glauben an das Leben.
Die Lange Nacht des Theater- und Hörspielmanns Martin Esslin

von: Heike Tauch
Ton: Jean Boris Szymczak
Produktion: DLF 2002/ 180´

1918 in der ungarisch-österreichischen Monarchie geboren, kommt Martin Esslin, geb. Pereszlenyi, als 2-jähriger nach Wien. Die jungfräuliche Schwester seiner Stiefmutter wird für ihn entscheidend: Sie liebte zwar nie einen Mann, aber sie liebte das Theater und vor allem den großen Schauspieler Alexander Moissi. 1936 bewirbt er sich am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Die deutschen Truppen haben Wien schon eingenommen, da erhält er 1938 das Zeugnis vom Reinhardt-Seminar und verlässt Wien. Ein Jahr lebt er [+]

in Brüssel, bis es seinem Vater gelingt, ihn zu der sehr wohl habenden Familie Salaman zu schicken. Diese Familie lebt in der Nähe von London und gehört dem Bloomsbury Circle an, einem Kreis der fortschrittlichsten Intellektuellen des Landes. Als er Krieg ausbrach, muss er sie verlassen und er bewirbt sich beim Monitoring Service, dem Abhörhördienst der BBC. Esslin: "So begann meine BBC-Karriere". Sie führt ihn über die Deutsche Abteilung und den BBC World Service hin zur Hörspielabteilung. 14 Jahre, von 1963-1977, leitet Esslin, ein deutschsprachiger Ausländer, das Kleinod der britischen Nation, das National Theater On The Air. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit Beckett und Pinter.